IT- & KI-Recht
Künstliche Intelligenz und türkisches Recht: Rechtsrahmen
Veröffentlicht 28 April 2026·4 Min. Lesezeit
RA Mustafa Akçakuş · Antalya Rechtsanwaltskammer
Während KI-Technologien Gesundheit, Bildung, Finanzen, Recht und Handel rasch verändern, holen die Rechtsordnungen Schritt für Schritt nach. Im Schatten umfassender Regelwerke wie der EU-KI-Verordnung formt die Türkei ihren eigenen Rechtsrahmen. Für Unternehmen birgt die Integration von KI ebenso viele Chancen wie rechtliche Risiken. Als Kanzlei, die in Antalya technologieorientierte Unternehmen berät, behandeln wir in diesem Leitfaden die Folgen von KI-Anwendungen unter dem türkischen Rechtsrahmen.
Stand der KI-Regulierung in der Türkei
Ein eigenes KI-Gesetz ist in der Türkei zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes noch nicht in Kraft; gleichwohl:
- Plant der Staat im Rahmen der Nationalen KI-Strategie,
- Laufen Vorarbeiten zur Anpassung der EU-KI-Verordnung,
- Wirken sektorspezifische Regelungen (Gesundheit, Finanzen, Automobil) mittelbar auf KI-Anwendungen.
Für Unternehmen ergibt sich der Rahmen derzeit aus:
- KVKK (türkisches Datenschutzrecht),
- Verbraucherrecht,
- Recht des geistigen Eigentums,
- Vertrags- und Deliktsrecht.
KI und KVKK: Grenzen der Datenverarbeitung
Das Trainieren von KI-Modellen verlangt große Mengen personenbezogener Daten. Nach dem KVKK muss diese Verarbeitung:
- Auf einer Rechtsgrundlage beruhen (ausdrückliche Einwilligung, Vertrag, berechtigtes Interesse usw.),
- Die Informationspflicht erfüllen,
- Bei automatisierten Entscheidungsmechanismen ein besonderes Widerspruchsrecht des Betroffenen vorsehen,
- Die Regeln zur grenzüberschreitenden Übermittlung beachten.
Automatisierte Entscheidungen
Trifft ein vollständig automatisiertes System eine den Betroffenen belastende Entscheidung (z. B. Ablehnung eines Kreditantrags, Vorauswahl bei Bewerbungen), gewährt das KVKK ein Widerspruchsrecht und das Recht, menschliches Eingreifen zu verlangen. Unternehmen, die KI nutzen, müssen einen entsprechenden Mechanismus einrichten.
Urheberrecht an KI-Ergebnissen
Wem stehen Texte, Bilder, Audio oder Code zu, die eine KI erzeugt? Nach türkischem Recht:
- Die Urheberschaft liegt grundsätzlich bei natürlichen Personen,
- Eine KI selbst kann nicht Urheber sein,
- Bei Co-Kreation mit KI ist der schöpferische Beitrag des Menschen ausschlaggebend.
Daraus folgt:
- Vollautomatisch mit ChatGPT oder ähnlichen Tools erzeugte Inhalte genießen nur schwachen urheberrechtlichen Schutz,
- Der "Prompt" allein qualifiziert die Ausgabe nicht als menschliches Werk,
- Die kommerzielle Nutzung von KI-erzeugtem Code, Bild oder Text birgt urheberrechtliche Risiken.
Bei der Nutzung von KI für Inhalte sollten Unternehmen sicherstellen, dass die Ergebnisse menschlich bearbeitet werden und ein eigenständiger Beitrag vorliegt.
Trainingsdaten und Urheberrechtsverletzungen
KI-Modelle nutzen für das Training bestehende Texte, Bilder und Töne. Ob dieser Gebrauch:
- Mit dem Urheberrecht vereinbar ist,
- Die Rechte der Urheber wahrt,
wird weltweit weiter diskutiert. Für Unternehmen, die in der Türkei KI-Modelle entwickeln, empfehlen wir:
- Dokumentation der Quellen der Trainingsdaten,
- Bevorzugung lizenzierter Datensätze,
- Vorrang von Open-Source- und Public-Domain-Daten.
Haftung für KI-Schäden
Trifft ein KI-System eine Entscheidung, die Schaden verursacht, wer haftet? Nach türkischem Recht ist eine Bewertung im Rahmen der deliktischen Haftung zu erwarten; im Einzelfall ist umstritten, ob:
- Der Softwareentwickler,
- Der Modelltrainer,
- Der Systembetreiber,
- Der Nutzer
haftet. Vertragliche Regelungen schließen die Lücke:
- Anbieter nehmen Haftungsbegrenzungen in den Vertrag auf,
- Kunden können Versicherungen gegen Schäden aus dem Systemgebrauch abschließen,
- Für Hochrisikoanwendungen werden zusätzliche Pflichten — analog zur EU-KI-Verordnung — vereinbart.
Hochrisiko-KI-Nutzung
Als "hochriskant" gelten in der EU-KI-Verordnung u. a. die Bereiche:
- Diagnose und Behandlung im Gesundheitswesen,
- Bildung und Bewertung von Prüfungen,
- Personalauswahl und Leistungsbewertung,
- Bonitätsbewertung,
- Justiz und Strafverfolgung,
- Biometrische Identifikation.
Türkische Unternehmen, die KI in diesen Bereichen einsetzen, müssen sich auf künftige Regelungen vorbereiten. Eine Risikoanalyse jetzt senkt die späteren Compliance-Kosten.
KI in Chatbots und Kundenservice
Der Einsatz von KI-Chatbots im Kundenservice nimmt zu. Rechtlich gilt:
- Kunden haben das Recht zu erfahren, dass sie mit einem Bot sprechen,
- Das Unternehmen haftet für die Richtigkeit der Antworten,
- Schaden durch irreführende Auskunft begründet Ersatzpflichten,
- Die Datenverarbeitung des Bots unterliegt dem KVKK.
Tourismus- und Handelsunternehmen in Antalya sollten diese Punkte bei Chatbot-Anwendungen beachten.
KI-bezogene Vertragsklauseln
In Lieferantenverträgen mit KI-Komponenten verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Datennutzungsrechte — Kundendaten dürfen nicht unbeschränkt für das KI-Training freigegeben werden,
- Eigentum an Ergebnissen — wer darf die Modellergebnisse nutzen,
- Haftung für irreführende Ausgaben (Halluzinationen),
- Bias-Audit — gerade bei Systemen, die menschliche Entscheidungen beeinflussen,
- Erklärbarkeit — Mechanismen, die KI-Entscheidungen erklären.
KI-Ethik und unternehmensinterne Richtlinien
Eine KI-Nutzungsrichtlinie ist sowohl rechtlich als auch reputationsmäßig wichtig. Sie sollte regeln:
- Welche Systeme genutzt werden dürfen,
- Grenzen für die Weitergabe von Kundendaten,
- Menschliche Aufsicht bei Inhalten,
- Reaktionsverfahren bei Datenpannen.
Mitarbeiterschulungen flankieren die Richtlinie.
Vorbereitung auf die Zukunft
In den kommenden Jahren ist eine umfassendere Regelung von KI in der Türkei zu erwarten. Vorausschauender Ansatz für Unternehmen:
- Erfüllung der Grundpflichten der EU-KI-Verordnung,
- Aktualisierung der KVKK-Compliance für KI-Anwendungen,
- Risikoanalyse,
- Anpassung der Verträge an KI-Risiken,
- Interne Schulungen und Ethik-Regelwerke.
Wie Mona Hukuk Sie unterstützen kann
Für Unternehmen in Antalya, die KI-Technologien einsetzen, bietet MONA HUKUK Datenschutz-Compliance, Vertragsverhandlungen, Urheberrechtsanalyse und Risikobewertung. Ob Entwickler oder Anwender — in der dynamischen Entwicklung des Rechtsrahmens begleiten wir Sie verlässlich.
Kontaktieren Sie uns unter contact@monahukuk.com oder rufen Sie +90 (242) 606 14 32 an, um einen Beratungstermin in Antalya zu vereinbaren.
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